personalheader01.jpg mois-Blog - Varroa-Monitoring: Fehlversuch Puderzuckermethode

Varroa-Monitoring: Fehlversuch Puderzuckermethode Print This Post

18. März 2012

Wie schon bei der Oxalsäurebehandlung im Winter angedroht, wollen wir den Varroamilbenbefall unserer Bienen messen und dokumentieren. Gestern am zweiten Sonnentag mit auch am Abend noch frühlingshaften 15°C starteten wir den ersten Versuch. Wir orientierten uns an den Empfehlungen des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen/Bieneninstitut Kirchhain (Adiz-Artikel als pdf) und der Konkretisierung für die speziell für die Bienenkiste.

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Wir fanden 10 Milben auf 30g Bienen. Eigentlich ist das zu viel. Erst recht für die Jahreszeit. Kirchhain empfiehlt ja schon ab 10 Milben auf 50g Bienen eine Behandlung – aber erst in den Monaten Juli, August und September. Für einen so frühen Zeitpunkt wie jetzt ist ein derartiger Milbenbefall von hochgerechnet 16,6 Milben auf 50g Bienen definitiv zu hoch. Wir mussten uns fragen: Ist der Stock wirklich zu Beginn der Saison schon so durchseucht von der Milbe? Wir waren schockiert.

Aber beim nochmaligen Revuepassierenlassen der Aktion fiel uns eine mögliche Fehlerquelle auf. Sie geht auf folgende Passage der Anleitung bei Bienenkiste zurück:

Am Boden sitzen bei einem kräftigen Volk eher 100-150g Bienen. Nehmen Sie eine Plastik-Kiste (z.B. die von der Ernte) oder eine Plastik-Schüssel, die groß genug ist, dass man das Bodenbrett hineinstellen kann und stoßen Sie einmal kräftig auf. Alle Bienen fallen in die Kiste. Plastik-Kiste einmal auf der Ecke aufstoßen, dass alle Bienen sich in einer Ecke sammeln. Nun können Sie die Bienen in den Schüttelbecher kippen. In der Anleitung wird ein Urinbecher als Messbecher empfohlen. Ich habe darauf verzichtet und kippe die Bienen direkt in den Schüttelbecher und wiege ihn anschließend.

Unser Verdacht: Beim Abschütteln der Bienen vom Boden in die Plastikkiste, und beim Zusammenschütteln der Bienen in der Ecke der Plastikkiste und beim Umschütten von der Plastikkisten in den Schüttelbecher gelangen nicht nur die Bienen und die AUF DEN BIENEN SITZENDEN Milben in den Untersuchungsbecher, sondern auch eine Anzahl bereits TOTE Milben, die zwischen den am Boden der Kiste sitzenden Bienen lagen. So erklärt sich auch der ganze andere Müll, der mit der Ausspülung des Puderzuckers zum Vorschein kam. Sogar eine tote Stechmücke war dabei. Und die steckte sicherlich nicht im Pelz einer der Bienen.

Ich glaube, das Messergebnis von gestern ist nicht verwertbar. Es ist völlig unklar, wie viele tote Milben nach dem Winter (mit Oxalsäurebehandlung) auf dem Boden der Kiste lagen und wie viele von diesen toten Milben über den oben beschriebenen Weg mit in die Zählung gerieten. Vielleicht dokumentiert die Zählung von gestern nicht einen aktuell hohen Befall der lebendigen Bienen im Stock, sondern die erfolgreiche Oxalsäurebehandlung von vor drei Monaten. Wir können es nicht sagen, es sei denn, unsere Milbenpathologie ermittelt doch noch den exakten Todeszeitpunkt der einzelnen Milben…

Unser Fazit: Es ist unerlässlich, die Bienen nach dem Zusammenschütteln in der Ecke der Plastikkiste, wie von Kirchhain empfohlen, mit einem Urinbecher „abzuschöpfen“ und erst über den Umweg des Urinbechers in den Schüttelbecher zu geben. Nur so ist gewährleistet, dass wirklich nur Varroa in der Zählung landet, die noch bis zur Bepuderung putzmunter auf einer Biene parasitiert hat.

Anbei die Bilderserie zum gestrigen Eingriff:


Nachtrag 25.3.2012, eine Woche später:
Heute haben wir noch einmal Varroa gemessen. Diesmal mit Urinbecher zum Abschöpfen der Bienen aus der Plastikkiste und Umfüllen in den Schüttelbecher. Im von 25g Bienen abgeschüttelten Puderzucker fanden wir keine einzige Milbe. Mit diesem Messergebnis fühlen wir uns in unserer Vermutung von letzter Woche bestätigt. Wir haben uns vorgenommen, ab jetzt monatlich eine derartige Varroazählung vornehmen. Wie beim Gewicht der Kiste auch eine Tabelle:

 
Kiste 1
Kiste 2
Anmerkungen
Datumgemessene Werte: Anzahl Milben; Gewicht der bepuderten Bienen (Gramm)Varroa-Quotient
(Anzahl/50g)
gemessene Werte: Anzahl Milben; Gewicht der bepuderten Bienen (Gramm)Varroa-Quotient
(Anzahl/50g)
25. März 20120; 25g0
17. Juni 20121; 42g1,20; 63g0
6. August 20121; 42g1,2trotzdem AS-Behandlung vom 6. bis zum 16. August.

Nebenbei stellte sich uns bei all der Bienenabwiegerei die Frage: Was wiegt eigentlich eine einzelne Arbeitsbiene? en.wikipedia.org liefert eine erste Orientierung: knappe 100mg beim Schlüpfen. Wir werden das prüfen und bei Gelegenheit ein paar frisch gestorbene Bienen abwiegen. Lebendig sind sie zu wuselig zum exaken Wiegen…

Series Navigation<< Die Bienen fliegen wiederHonigraum: Trennschied raus, Mittelwände rein >>


1 Comment

  1. VeeBee wrote:

    Danke für den Hinweis! Ich werde das in die Anleitung aufnehmen. Im Sommer ist diese grobe Verfälschung übrigens nicht zu erwarten, weil die Bienen dann tote Milben selbst ausräumen und außerdem der natürliche Totenfall ein Bruchteil der Belastung der Bienen ist.
    Eine andere Möglichkeit, im Frühjahr ein falsches Ergebnis zu vermeiden, besteht darin, zunächst mal das Bodenbrett zu säubern und dann an einem anderen Tag die Diagnose durchzuführen.

    Posted 15 Apr 2012 at 12:20:02

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *