Ente gut, alles gut

Entenbraten / Roast duckKomm ich heut in den Bio-Laden, will bisschen Interim lesen und bei der Gelegenheit die Weihnachtsente abholen, erzählt mir die Kollektivistin: “Die Sachsenenten, von denen Du eine bestellt hast, sind alle entführt worden.” Krass, denk ich. Dann mein zweiter Gedanke: Dass die Enten da einfach so mitgehen, wahrscheinlich mitten in der Nacht in einen wildfremden Lieferwagen. Die müssen doch bei dem bleiben, der sie die ganze Zeit gefüttert hat. Wie verlädt man bloß heimlich eine Herde Enten? Warum schnattern die nicht einfach laut los? Blöde Enten. Nach kurzer Denkpause der dritte Gedanke: Vielleicht sind die Enten gar nicht so doof und sie sahen in der Entführung ihre letzte Chance, dem Halsabschneider zu entkommen, der sie die ganze Zeit gefüttert hatte und ihnen ja doch nur fürs fette Weihnachtsgeschäft den Hals rumdrehen wollte. Hm. Ende des dritten Gedankens. Sanftes Hinübergleiten zum vierten Gedanken (Gedanken lassen sich manchmal nicht sauber voneinander trennen. Vor allem wenn das Denken so Schlag auf Schlag geht wie in der beschriebenen Extremsituation im Bio-Laden. Ok. Nicht abweichen. Das ist nicht nur beim Denken sondern auch beim Schreiben verhängnisvoll.) Also mein vierter Gedanke: Die armen Enten. Wie sollnse auch ahnen, dass es dem nächtlichen Entenentführer wohl kaum um ihr Wohl und ihre Freiheit geht. Enten wissen ja nichts von Konkurrenz und Eigentum und Entendiebstahl. Bevor dieser vierte Gedanke sich mit grundlegender Kapitalismuskritik und niederschmetternden Anthropologisierungen des Bio-Bauerntums vereinen und in ernsthafte Zweifel an der Ökonomie der ökologischen Landwirtschaft münden kann, unterbricht die Bio-Laden-Kommunardin den Gedankenfluss: “Aber wir haben rumtelefoniert und Ersatz aufgetrieben. Ist jetzt eben keine Sachsenente, sondern eine Flugente.” Vielleicht isses ja wirklich besser so, denk ich noch und mach mich auf die Suche nach den Linsen. Die waren zum Glück nicht entführt worden.

23. Dezember 2004 von mois
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