Für die einen City of David – für die anderen Silwan.

Eigentlich nur damit ichs nicht selbst vergesse: Heute war archäologische Führung in Ost-Jerusalem – organisiert von einer Gruppe kritischer Archäologen. Vielleicht schaff ichs in den nächsten Tagen, hierzu Hintergründe zu notieren.

(Das Bild zeigt einen Blick über die Ausgrabungsstätte auf einen Teil von Silwan. Etwa im Rücken des Fotografen liegt die ummauerte Altstadt)

Stichpunkte: King David City – archäologischer Nationalpark östlich der Altstadt im Schatten der Mauer. Silwan: altes sehr dicht besiedeltes arabisches Viertel, Status: nach 1967 anektiert (also nicht nur besetzt wie die meisten anderen Gebiete), die Bewohner sind heute keine Bürger (citizens) sondern nur Residents, der Nationalpark wird von einer ideologischen Siedler-Organisation betrieben, sehr viel Geld in den Ausgrabungen (und bestimmt auch in der Homepage), methodologische Kritik: hier werde nicht unvoreingenommen gegraben und dann interpretiert, sondern hier werden “Texte ausgegraben”, archäologische Belege für Stellen der religiösen Texte gesucht – alles andere sei uninteressant und werde abgetragen. Ein Beispiel: der Hype um – wie einige glauben – die Entdeckung des Palastes von David.
An einer Ecke wurde bei wilden Grabungen auf Gemeindeland ausserhalb des Grabungsgeländes etwas gefunden, jetzt ist das Gelände ebenfalls umzäunt, abgesperrt und bewacht. Der Nationalpark ist um diesen Bereich erweitert. Eine Mosche und ein Kindergarten sind nur noch über einen großen Umweg zu erreichen. Und dann steht hier und da ein Wohnhausrohbau mit Israelflagge auf dem Nationalparksgelände. Araber im Viertel bekommen zwar auch keine Baugenehmigungen für die letzten Stücke unbebautes privates oder öffentliches Land, aber wenn sie bauen, kommen die staatlichen Planierraupen. Und wenn sie ihr Land unbebaut lassen, dann schickt die Betreiberorganisation hin und wieder eine Planierraupe auf solches “Brachgelände”, um Parkraum zu schaffen, da der Grund ja ungenutzt sei… Zum Abschluss der Tour bekommen wir Tee auf einem Gelände, dessen vollständige Planierung letzte Woche durch die Proteste der Nachbarn verhindert werden konnte. Mit kleinen Olivenbäumen wird “wiederaugeforstet”. Unser Stelldichein überschaut eine Rundumkamera auf einem benachbarten Siedlergebäude.

19. Januar 2008 von mois
Kategorien: News, Reise | Schlagwörter: | 1 Kommentar

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