Das Amt und die Bienen

Bienenhaltung in der BRD ist eine erstaunlich liberale Angelegenheit. Es braucht keine formale Ausbildung, keinen “Bienenführerschein” und keine Genehmigung. Lediglich eine Anmeldung bei der zuständigen Veterinärsbehörde. Und amtliche Aufsicht und Wanderbeschränkungen machen m.E. tatsächlich auch Sinn, solange die Rahmenbedingungen (Nebeneinander von wesengemäßer und kommerzieller wie zunehmend profitorientierter Bienenhaltung, industrialisierte Landwirtschaft, Kapitalismus) nicht auf der Basis imkerischer Selbstorganisation und vernünftiger Gesellschaftsplanung derart gestaltbar sind, dass das Umsichgreifen von Bienenseuchen weitgehend ausgeschlossen werden kann. Nur nebenbei: Wohin profitorientierte Bienenhalterei im Zusammenspiel mit industrieller, monokulturbasierter, kapitalistischer Landwirtschaft führt, zeigt eindrucksvoll eine Fotoserie über Bienenmassentransporte in den USA (vgl. Abb.) – und das dort zuerst aufgetretene mysteriöse Bienensterben bzw. -verschwinden.

Also gut. Hab mich also gleich im Mai amtlich gemeldet und nun kam vor einigen Tagen der Anruf von der Veterinärin. Sie war erstmal beruhigt, als sie hörte, dass ich definitiv nicht plane, Wanderimkerei zu betreiben und es mir auch nicht um Ertrags- oder gar Profitmaximierung geht. Sie sprach von einem großen Zuwachs an Bienenhalterei in ihrem Amtsbezirk (Friedrichshain-Kreuzberg) und empfahl mir als Neuimker “dringend” eine Futterkranzprobe zur Frühdiagnostik der Faulbrut, auch wenn sie sie derzeit nicht anordnen könne. Für eine solche amtliche Anordnung braucht es den konkreten Seuchenfall oder -verdacht in der Nachbarschaft, wie im Falle eines Bienenkistenkollegen aus Dresden. Bei Ausbruch der Seuche werden Sperrbezirke eingerichtet. Faulbrutsperrbezirke verzeichnet das Faulbrutkataster. Auch der Imkerverband Berlin informiert über Faulbrutsperrbezirke in Berlin. Eigenartigerweise decken sich die Angaben im Kataster und beim Imkerverband Berlin nicht.

Eine solche Untersuchung macht das Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf. Der Preis der Untersuchung beträgt 15 Euro. In einer Probe kann Material aus bis zu 6 Stöcken untersucht werden. Ich hatte eh überlegt, ob ich eine kleine Honigprobe aus der ersten Ernte dort hin schicken soll, um eine Honigqualitätsuntersuchung machen zu lassen. Mich interessiert dabei vor allem, von welchen Pflanzen hier in der Umgebung die Bienen sammeln:

Die mikroskopische Analyse von Honigen ermöglicht, ihre pflanzliche und geographische Herkunft zu ermitteln. In jedem Honig kommen Pollen vor, die durch die Bienen beim Nektarsammeln passiv aufgenommen werden. Sie werden durch Zentrifugation aus dem Honig als Sediment gewonnen und unter dem Mikroskop ausgewertet. Da sich die Pollen in ihrer Gestalt von einander unterscheiden, lässt sich anhand des Pollenbildes eines Honigs nachvollziehen, welche Pflanzen in welchem Umfang von den Bienen besucht wurden. Regionale Unterschiede in der Pflanzenwelt spiegeln sich im Pollenspektrum wider. Quelle

Mein Plan ist jetzt, die sich abzeichnenden Kontakte zu anderen Imkern aus unserer Umgebung hier zu nutzen und eine gemeinsame Probe abzugeben. Kontakte zeichnen sich ab beim Kreuzberger Honigfest in den Prinzessinnen-Gärten am Samstag, 13.08.2011, zwischen 13 und 17 Uhr am Moritz-Platz, wo ImkerInnen, die ihre Bienenstöcke im 3-km-Flugkreis des Garten stehen haben, sich und ihren Honig vorstellen (ich werd dort keinen Stand machen, aber mal vorbeigucken).

 

07. August 2011 von mois
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