Mainboard aka Logicboard gebacken

Zurück aus dem Wochenende wollte mein Rechner nicht mehr so wie ich: Der Power-Knopf konnte dem guten alten MacBook Pro (Bj. 2008) gerade mal noch ein einsekündiges Hochdrehen des DVD-Laufwerks entlocken. Gegoogel auf dem Zweitrechner ergab einige Ausschlusstests (RAM-Bausteine checken, PRAM and SMC/PMU resetten). Half alles nix. Schlussfolgerung: Haarriss irgendwo auf dem Logicboard (so heißt das Main- oder Motherboard bei Apple). Kostenpunkt der Reparatur: ca. 800 Euro. Scheiße, da kann ich mir ja gleich einen neuen kaufen. Aber irgendwie bin ich dann doch noch über den Blogbeitrag eines Schicksalsgenossen gestolpert, der das gleiche Problem unkonventionell und billig hatte lösen können: Das Logicboard in den Backofen schieben und mit der richtigen Temperatur und Dauer die gerissenen Leiterbahnen wieder verschmelzen lassen (“finding the faulty solder is insane, so instead you just re-solder everything…”). Viele bestätigten das Verfahren, und auch ein deutschsprachiger Bericht las sich hoffnungsverheißend.

Entlang der Bauanleitung bei ifixit.com und mit dem passenden Werkzeug gelang der Ausbau des Boards gut. Nachbars Backofen mit Temperaturskala auf dem Drehknopf erleichterte die von den meisten empfohlene Temperatureinstellung auf exakte 190°C. Die Eieruhr half die siebeneinhalb bis acht Minuten Backzeit einzuhalten.

Wichtiger Tipp noch: Vor dem Wiederzusammenbauen undbedingt die Ventilatoren und die Lamellen des Kühlkörpers (siehe Fotos) säubern, denn ein verdreckter Kühlkörper bedeutet noch höhere Temperaturunterschiede auf dem Board und die können (neben grober Behandlung des Rechners) die berüchtigten Haarrisse begünstigen. Aus dem selben Grund ist es wichtig, Leiterpaste beim Zusammenbau zwischen den drei Prozessorkernen und dem Kühlkörper aufzubringen. Ich entschied mich für den Einsatz von Arctic Silver 5. Den Ausschlag für dieses vergleichsweise teuere Produkt gab seine im Vergleich zu anderen Pasten mit ähnlicher Leitfähigkeit höhere Zähflüssigkeit, wodurch die Paste  den Spalt zwischen Board und Kühlkörper hoffentlich dauerhaft überbrückt, statt wegzusickern. Und natürlich vorher die Kontaktstellen mit möglichst reinem Alkohol und einen fusselfreien Tuch gut (aber vorsichtig) säubern.

Die Bilder zeigen mein Arrangement für den Backofen und das verdreckte Kühlsystem:

Von anderen gibts Filmchen über die ganze Reparatur:
https://www.youtube.com/watch?v=GDvmb4C1Z8A
https://www.youtube.com/watch?v=Ztzv2OlQJuU
https://www.youtube.com/watch?v=_M0yMAE3Duw
https://www.youtube.com/watch?v=CHIf2_puOiY

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05. Juni 2013 von mois
Kategorien: Technix | Schlagwörter: , | 5 Kommentare

Kommentare (5)

  1. Glückwunsch! Ich hoffe das hält ein bisschen. Als ich da letztens mal recherchiert hab, hieß es immer, das hält oft nur ein paar Monate.

  2. danke! erstmal kann ich jetzt nach ein paar tagen sagen, dass die temperatur (smcFanControl 2.2.2) im schnitt 15°C niedriger liegt als zuvor. der temperatursensor liegt ja auf dem kühlkörper. daher kann das zwei sachen heißen: 1. der kontakt zwischen kühlkörper und prozessorkern ist nicht gut oder gar nicht hergestellt —> dann würde es nicht lange dauern bis wieder etwas kaputt ist. 2. das säubern der lamellen hat was gebracht —> dann gehe ich von 6 bis 9 monaten galgenfrist aus, während derer ich schön meine backups aktuell und nach neuer hardware ausschau halte…

  3. update: seit einigen tagen beobachte ich bei mehr als ca. 60 °C einen hellen türkisfarbenen, einen pixel breiten, vertikalen streifen mitten in der linken hälfte des bildschirms.
    meine vermutung: das mit der kühlpaste hat zumindest auf dem grafikchip nur so in etwa geklappt…

  4. seit 5.8.14 ist der rechner wieder tot. ging also ein gutes jahr gut. auch der streifen übers display ist nach einigen wochen wieder verschwunden. morgen ist termin beim backofen mit der tollen temperaturregelung. mal sehen obs klappt.

  5. …raus aus dem backofen, abkühlen, zusammenbauen – und erstes anschalten: schreck! drei mal laut “tut” – pause – 3x”tut”. kurze suche ergab die schlüssel für mac-tutsignale: wikipedia und apple.com – also memory nochmal raus und wieder rein … und jetzt läuft erstmal ein aktuelles time machine backup…

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